Am nächsten Tag hielt der Zug an. Nach einer Weile hörte man wie sich die Waggontüren öffneten und es gab wieder etwas zum Essen. Die eingeteilten Essensträger verrieten uns, dass wir bereits in Russland waren. Die Ungewissheit, wie lange die Fahrt noch dauern wird, machte uns schwer zu schaffen . Denn man merkte, noch ein paar Tage Fahrt unter diesen Umständen, hält so mancher nicht mehr aus. Nach einem stundenlangen Aufenthalt ging es gegen Abend wieder weiter. Es war Gottseidank die letzte Nacht. Am nächsten Tag gegen Mittag hielt der Zug an.
Von innen merkten wir, dass sich draußen etwas bewegt. Man hörte Türen öffnen und das Geschrei Dawei , Dawei.
Endlich wurde unsere Waggontüre geöffnet. Es hieß alles raus zu den anderen gehen die bereits am Boden lagen.
Acht Tage Fahrt, die man im Normalfall in zwei Tagen hätte fahren können, waren für einige doch fast das Ende. Bis alle Waggons geleert waren, konnten wir uns in der frischen Luft am Boden liegend erholen. Dann wurde gezählt und die, die nicht mehr laufen konnten wurden auf Lastwägen geladen.
Wir etwa 850 Mann mussten unter strenger Bewachung losmarschieren. Es vergingen einige Stunden und man hatte wieder ganz andere Kameraden um sich. Endlich kamen wir außerhalb von Charkowvor einem bereits mit dreifachem Stacheldraht umzäunten Lager an. Vor dem Lagertor waren mehrere russische Offiziere. Die Begleitmannschaft machte Meldung. Nach längerer Unterhaltung (es kann nur ein Befehl gewesen sein) gab der Dolmetsche bekannt, dass wir namentlich aufgerufen werden und uns dann vorne zu 5 Mann aufstellen sollten. Die Offiziere befahlen jedem die Kappe abzunehmen. Sie schauten jeden einzelnen ins Gesicht. Dann hieß es Marsch ins Lager.
Mein angefreundeter Nebenmann hatte dafür eine Erklärung. Er wisse genau das unter den bereits herausgesuchten der Mussolini Befreier dabei war, denn auf einmal hörten sie mit der Gesichtskontrolle auf und die Männer wurden sofort abtransportiert.