Als ich von meinem Wasser und Kugelschutz (der hochgestellte Tisch) zur Baracke gekrochen bin, lag einer vor mir, der von einem Dum-Dum Geschoß (Explosionsgeschoß) mitten ins Gesicht getroffen war. Das war sehr schrecklich, denn mehr als das halbe Gesicht war herausgerissen. Einige schrieen noch aus voller Brust während des Kugelhagels: „Ihr Mörder!“
So nach und nach hörte die Schiesserei auf und im Lagerhof waren nur mehr wenige auf dem Boden liegend. Durch die Dunkelheit konnte man nicht gleich feststellen, wie viele Verwundete bzw. Tote es waren.
Da es inzwischen wieder Licht gab, wurden die Verwundeten ins Krankenrevier gebracht. Es waren unter uns einige vom Krieg her gut ausgebildete Sanitäter, die sich sofort um die hereingebrachten Verwundeten kümmerten. Im nachhinein konnte man feststellen, dass nicht jeder Soldat da draußen gezielt in die Menge geschossen hat. Denn sonst wären es wahrscheinlich mehr als 5 Tote sowie mehrere verwundete gewesen. Der Herr Oberleutnant erschien kurz darauf vor dem Sanitätsraumfenster und lies sich über die Zahl der Toten und Verwundeten berichten.
Wir waren bald darauf alle in den Baracken, aber schlafen konnte keiner von uns.
Wir saßen auf den Pritschen und diskutierten was wohl nach diesem Blutbad noch folgen wird.
Es werden endlose Verhöre folgen und man wird nach sogenannten Hauptschuldigen suchen, sie womöglich zu lebenslänglicher Haft oder zum Tode verurteilen. Oder werden sie uns jetzt noch isolierter von der freien Welt halten, damit dieses Morden nicht an die Weltöffentlichkeit kommt?
Mit solchen und ähnlichen Gedanken und Diskussionen befassten wir uns die ganze Nacht.