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Weil ich aber doch nicht wollte, musste ich es bald darauf bitter büßen. Denn die Antifaschisten oder Kommunisten waren hier die Herren Kriegsgefangenen und erhielten sogar mehr Verpflegung als die anderen. Man nannte es Musterlager. Wir die hungernden nannten es Propagandalager. Für die zirka 500 Mann gab es fast jede Woche einen Propaganda Film.
Gezeigt wurde die Einnahme Berlins, das Kriegsende und deutsche Soldaten die sich zum Schutz vor den Nazis in russische Gefangenschaft begaben. Außerdem noch russische Filme. In diesem Lager 5 wurde ich nicht alt, denn schon nach zwei Monaten kam ich mit mehreren Kameraden die auch bei der SS waren ins Lager Nr. 2 nach Charkov.
Das Lager befand sich innerhalb der Dreschmaschinenfabrik. Bei der Ankunft am Lagertor stand in großen Buchstaben: Unser Ziel in 24 Stunden 60 Dreschmaschinen zu bauen.
Und für uns war wichtig , dass wir sofort zum Mittagessen durften. Die grün lackierten Essbehälter waren nicht so appetitlich wie die Alubehälter im Lager 5 aber dafür ließ so mancher Kamerad die Hälfte Suppe darin und bot sie uns zum Essen an. Wogegen im Musterlager die Antifa Leute vor unseren Augen die Restsuppe in den Abfall schütteten. Wir bekamen schnell heraus, dass es hier lockerer zuging als in den vorhergehenden Lagern. Alleine schon durch die vielen Nationalitäten. Hier waren Deutsche, Österreicher, Italiener, Holländer.
Sonderbarerweise keine Ungarn und keine Rumänen. Als ich meine Schlafstelle zugewiesen bekommen hatte, machte ich mich auf die Suche. Der Nachmittag war frei und ich fragte mich so durch, nach allem möglichen. Nach 14 Uhr kamen auch die Schichtarbeiter und ich hatte Glück und erkannte unter denen den ersten Landsmann aus St. Peter und das nach über drei Jahren. Die Freude war groß und wurde noch größer als der Harrer Friedel mir sagte, dass mein Vetter Hans Ritter auch hier ist.

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