Bei der Ankunft vor dem Lagertor konnte man erkennen, dass hier noch mehr Kriegsgefangene sind. Die aber mussten alle in ihre Unterkünfte bis wir gezählt waren, immer wieder fünf Mann in einer Reihe antreten. Sie zählten bis 25 Mann und einer davon wurde gleich als Brigadier bestimmt. So kam es das er wieder bei 25 vor mir stand. Der große Oberleutnant schaute mich kurz an und sagte: „ Di budisch Brigadier (Du bist der Brigadier).“ Ich sagte (ziemlich frech darauf): „ja ne notyu (Ich will nicht).“ Maltschi (heißt soviel wie kein Wort).
Inzwischen schubsten mich die Kameraden von hinten und ich wusste es gibt keinen Ausweg. Nun durfte ich mit meinen 25 Mann das Quartier beziehen, das mir von dem deutschen Lagerleiter angewiesen wurde. Von ihm bekam ich auch Schreibzeug, damit ich meine Männer namentlich aufführen konnte. Auf den Holzpritschen hatten wir schnell Platz genommen und wollte beginnen mit der namentlichen Erfassung, da bot sich der Lachner Walter aus Wien als Schriftführer an. Er war zwei Jahre älter als ich. Wir kannten uns schon länger und ich wusste gleich, dass er mit seiner höheren Schulbildung der richtige Mann für mich ist. Denn es gab für mich noch genug zu tun. Am nächsten Tag begann der Arbeitseinsatz auf einer großen Baustelle. Nach ein paar Tagen hieß es acht Mann zum Materialtransport mit den Lkw. Natürlich ging ich als Brigadier auch selber mit.
Wir fuhren mit je vier Mann auf einer Maschine, so hieß es bei den Russen ca. 50 km weit über die Steppe um einen besonderen Sand zu holen. Es war an einem Ufer von der Wolga. Auf der Fahrt war fast kein Baum oder Strauch zu sehen, nur öde Steppe. Hier musste seit den Kämpfen um Stalingrad kaum jemand vorbeigekommen sein, denn es lagen noch verstreut Stahlhelme und sogar verschiedene Waffen umher, so dass sogar unsere Bewacher und die Lastwagenfahrer sich wunderten. Die hatten den Krieg nur als Kinder erlebt. Nun auf der zirka zwei Stunden langen Fahrt waren wir doch ein wenig ausgeruht, so dass wir den Sand bald geladen hatten obwohl er schwer zugänglich war.