Es lief in unserer Schicht besser als bei der anderen Brigade. Kein wunder, hatte mich der russische Obermeister am Tag der Oktober Revolution 7 bis 9 November vor all den anderen so gelobt, dass er mich sogar umarmte und ich musste mit ihm Wodka trinken.
Ich muss dazu bemerken auch er war an dem Tag nicht mehr ganz nüchtern. Durch dieses Lob hatte er mich natürlich noch mehr motiviert, so dass wir sogar mehr als 200 Rubel am Monatsende bekamen. Und für den Monat November sogar 350 Rubel. Inzwischen war es Anfang Dezember 1949 und wir waren fertig mit der Holzbeförderung. Jetzt mussten wir die sechs bis acht Meter langen Holzstämme auf die Waggons verladen. Diese Arbeit wurde wieder in zwei Schichten von 7 bis 19 Uhr und von 19.00 bis 7.00 Uhr verrichtet. Im Lager ging die Parole um das alle Kriegsgefangenen bis zum 1. Januar 1950 entlassen wurden.
Wir haben schon öfters diese Heimfahren erlebt und dann war es doch wieder nur ein anderes Lager. Aber diesmal wurden wir so nervös und unruhig, dass wir die halbe Nacht herumstanden, Mond und Sterne bestaunen und über das Heimfahren diskutierten. Denn die einen waren wiederum sehr skeptisch, während die anderen wieder meinten einmal muss es doch wahr sein. Bei diesen angeregten Debatten merke keiner, dass plötzlich der zuständige Oberleutnant da stand und rief wo ist der Brigadiers. Ich meldete mich sofort. Aber er brüllte mich an und schrie morgen früh werden die Waggons abgeholt, und die stehen da und politisieren. Am nächsten Tag, vormittags, ich hatte kaum geschlafen holte mich der deutsche Lagerkommandant zum Verhör. Der russische Lagerkommandant hielt mir vor, dass ich unfähig wäre eine Brigade zu führen, denn anstatt zu arbeiten hätten wir die halbe Nacht politisiert und ab sofort werde ich als Brigadier abgelöst. Ich war aber richtig froh darüber. Ich glaube es war nur zwei Tage später und wir kamen wirklich ins Entlassungslager Nr. 5 in Stalingrad.