Darauf betraten einige Offiziere, darunter auch ein General die Baracke, wir mussten alle aufstehen und er frage als erstes: „Wer ist der Lagerkommandant von euch?“ Es meldete sich keiner. Daraufhin rief er einen von vorne zu sich und sprach: „Du bist jetzt der deutsche Lagerkommandant und ich will wissen, warum ihr in Hungerstreik getreten seid.“ Der aber stand da und sagte kein Wort. Da wurde der General energisch und wiederholte die Frage. Jetzt fing unser Kamerad an zu reden und sagte: In der Lagerzeitung stand dass jeder kriegsgefangene bis zum 1.Januar 1950 entlassen sein wird, mit Ausnahme derer die wegen Kriegsverbrechen verurteilt wurden. Warum sind wir noch hier ?
Wir durften uns wieder setzen und der General legte los, es sind noch drei Tage bis zum 1. Januar und wenn der Befehl von Moskau noch heute kommt, dann werdet ihr morgen entlassen. Aber was ihr hier macht, das ist Sabotage gegenüber eurem deutschen Volk. Er befahl uns sofort zu essen und diszipliniert zu sein. Das war’s dann, wir fingen an zu essen.
Wir zeigten Disziplin, denn wir waren doch wehrlose Kriegsgefangene. Nun lernten wir am Ende den Charakter eines russischen Generals kennen. Denn wenn es sich wirklich nur um Tage bis zu unserer Entlassung handelte, dann hätte er doch die Wahrheit sagen können. Aber wie dem auch sei, nach 2 Wochen hieß es alles antreten, aber nicht zur Arbeit sondern zum Einkaufen in die Stadt. Das war ein Wort, man wollte es nicht glauben, aber als wir das Kaufhaus Paulus betraten, war es wie Weihnachten für Kinder. Es war für russische Verhältnisse sehr schön und eine Rolltreppe kannten die Meisten noch nicht. Nun wie es schon im Lager hieß, wer noch ein Rubel hat kann sich hier etwas kaufen.