Ich stellte fest, dass sich der risikoreiche Einsatz gelohnt hatte. Jetzt war nur noch das Problem, wo kochen, wo braten. Am nächsten Tag hatte ich Draht besorgt, Die Kartoffeln aufgefädelt und nachts habe ich sie in den Kamin gehängt. Die Küche war im Erdbunker, so dass ich gut raufkommen konnte. Beim nächsten Latrinengang habe ich sie fertig gebraten wieder geholt. Dieser Vorgang klappte nur ein paar Mal, den irgendeiner hatte mich doch beobachtet und sein Hunger war wahrscheinlich noch größer als meiner.
Ich stellte fest, dass meine Aktionen um zu überleben immer waghalsiger wurden, aber dafür lohnender. Wenn ich sah, wie einige sich wegen Gartenabfällen, oder Essensabfällen in Gefahr begaben erwischt zu werden, das war mir zu wenig für so ein Risiko.
Bei den Erdarbeiten am Straßenbau außerhalb des Ortes, versuchten es sogar einige mit betteln bei den vorbeigehenden Zivilisten. Ein alter Russe erwiderte: „Ich habe selber nichts, aber habt ihr nichts zu verkaufen ?“
Jetzt vor dem Winter hatten wir im Lager lange Unterwäsche bekommen. Ich dachte, wenn ich den Alten morgen sehe, werde ich Kontakt mit ihm aufnehmen.
Als der Alte morgens wieder Richtung Stadt ging, schlich ich mich an ihn heran und fragte, ob er auch Unterwäsche braucht. „Natürlich!“ war die Antwort. Er sagte: „Wenn ich vom Basar zurückkomme kommst du mir nach in mein Haus.“
Ich beobachtete unseren Posten. Als man ihm sein Mittagessen brachte, schlich ich mich in das Haus. Der Alte wartete schon auf mich, wir gingen nach nebenan in den Geißenstall.
Nach kurzem verhandeln war alles klar. Er bekommt meine noch nicht zerrissene Unterhose und ich bekomme seine zerrissene und noch zehn Rubel dazu. Das war soviel wie ein halbes Brot.